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Hund aus dem Ausland adoptieren: Ablauf, Transport, Papiere

Ein großer Teil der Hunde, die in Deutschland aus dem Tierschutz vermittelt werden, kommt aus Rumänien, Spanien, Griechenland, Italien oder Ungarn. Die Adoption läuft anders als beim Tierheim um die Ecke: Du lernst den Hund oft nur über Fotos und Videos kennen, unterschreibst vor der Übergabe und holst ihn nachts an einer Raststätte ab. Das kann sehr gut gehen — wenn der Verein seriös ist und du weißt, was kommt.

Wer vermittelt — und wer nicht

Vermittelt wird immer über einen deutschen Tierschutzverein (oder ein Tierheim mit Auslandspartner), der mit einer Station oder einem Shelter vor Ort zusammenarbeitet. Der Verein ist dein Vertragspartner, dein Ansprechpartner und derjenige, der den Hund zurücknimmt, wenn es nicht passt. Plattformen wie Pawfect Click zeigen die Tiere dieser Vereine und bringen euch in Kontakt — die Adoption selbst, vom Fragebogen bis zur Übergabe, läuft ausschließlich über den Verein.

Was ein seriöser Verein hat: eine Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz für das Verbringen und Vermitteln von Hunden aus dem Ausland (frag danach — sie ist Pflicht), einen eingetragenen Verein mit Impressum, einen Schutzvertrag, Vorkontrollen in Deutschland, transparente Gebühren und Nachbetreuung nach dem Einzug.

Der Ablauf

1. Anfrage und Fragebogen. Wie bei jeder Adoption: Selbstauskunft mit Wohnsituation, Zeit, Erfahrung, anderen Tieren. Auslandsvereine fragen zusätzlich oft nach Zaunhöhe und Erfahrung mit ängstlichen Hunden — aus gutem Grund, siehe unten.

2. Kennenlernen aus der Ferne. Videos, Berichte der Pflegekräfte vor Ort, ein Telefonat mit dem Verein. Frag konkret: Wie lange ist er in der Station? Kennt er Wohnung, Treppen, Auto, Leine? Wie reagiert er auf Menschen, Hunde, Katzen? Gibt es Bluttests? Ein guter Verein antwortet ehrlich — auch mit „wissen wir nicht".

3. Vorkontrolle. Ehrenamtliche des Vereins besuchen dich zu Hause, wie in Vorkontrolle im Tierschutz beschrieben. Bei Auslandshunden wird besonders auf Ausbruchsicherheit geschaut.

4. Schutzvertrag und Schutzgebühr. Meist 350 bis 500 Euro, darin Impfungen, Chip, Kastration, Bluttests, EU-Heimtierausweis und der Transport. Du unterschreibst, bevor der Hund in Deutschland ist — die „Blindadoption". Was du deshalb im Vertrag brauchst, steht in Der Schutzvertrag: ehrliche Beschreibung, bekannte Befunde, klare Rücknahmeregelung.

5. Warten auf den Transport. Die Vereine fahren Sammeltransporte, oft alle zwei bis vier Wochen. Zwischen Zusage und Ankunft liegen deshalb zwei bis acht Wochen — auch, weil der Hund vorher Impffristen und Bluttests durchlaufen muss.

6. Übergabe. An einem Treffpunkt entlang der Route — Raststätte, Parkplatz, oft frühmorgens oder nachts — oder an der Sammelstelle des Vereins. Manche Vereine holen die Hunde erst auf eine deutsche Pflegestelle, wo du sie vor dem Einzug kennenlernst. Das ist die entspanntere Variante, wenn sie angeboten wird.

Papiere und Vorschriften

Für Tierschutztransporte innerhalb der EU gilt Handelsrecht, nicht Urlaubsrecht. Der Hund braucht: Mikrochip, gültige Tollwutimpfung (mindestens 21 Tage alt, frühestens ab zwölf Wochen — Welpen sind also mindestens 15 Wochen alt), EU-Heimtierausweis, amtstierärztliche Gesundheitsbescheinigung kurz vor der Abfahrt und eine Anmeldung im EU-System TRACES. Der Transporteur muss für Langstrecken zugelassen sein. Aus Nicht-EU-Ländern kommt je nach Land ein Tollwut-Antikörpertest mit mehrmonatiger Wartezeit dazu.

Frag den Verein, ob TRACES-Meldung und § 11-Erlaubnis vorliegen. Wer ausweicht oder von „privater Mitnahme" spricht, arbeitet an den Regeln vorbei — und du bekommst am Ende einen Hund ohne gültige Papiere.

Nicht nach Deutschland eingeführt werden dürfen Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier sowie deren Kreuzungen. Für weitere Rassen gelten je nach Bundesland Auflagen — siehe Listenhunde nach Bundesland.

Gesundheit: Was du wissen musst

Hunde aus dem Mittelmeerraum und Südosteuropa werden vor der Ausreise auf Leishmaniose, Ehrlichiose, Anaplasmose, Babesiose und Herzwurm getestet — den sogenannten Mittelmeercheck. Ein negativer Test schließt eine Infektion nicht aus, weil einige Erreger erst nach Monaten nachweisbar sind. Deshalb: sechs Monate nach der Einreise noch einmal testen lassen. Was die Krankheiten bedeuten und was sie kosten, steht in Mittelmeerkrankheiten. Kurzfassung: die meisten sind behandelbar, viele Hunde mit positivem Befund leben ohne Einschränkung — aber du solltest es vorher wissen.

Die ersten Wochen: Sicherheit vor allem

Auslandshunde entlaufen in den ersten Tagen häufiger als alle anderen — aus Panik, nicht aus Abenteuerlust. Ein Hund, der noch nie eine Straßenbahn gehört hat, springt bei der ersten aus dem Halsband und ist weg. Deshalb, ohne Ausnahme:

  • Sicherheitsgeschirr mit zwei Bauchgurten plus Halsband, beides angeleint — doppelte Sicherung ab der Übergabe.
  • Kein Freilauf, auch nicht im „sicheren" Garten, bis Zaun und Bindung stimmen. Wochen, nicht Tage.
  • Chip sofort auf dich registrieren (Tasso oder Findefix), Marke mit Telefonnummer ans Geschirr, GPS-Tracker erwägen.
  • Ruhe. Keine Besucher, keine Hundewiese, keine Stadtrunde in Woche eins. Wie das Ankommen gelingt, steht in Die ersten Tage mit dem Tierheimhund.

Woran du unseriöse Anbieter erkennst

Kein Schutzvertrag oder Vertrag erst bei der Übergabe. Keine Vorkontrolle. Bargeld ohne Quittung. Druck („wenn du nicht bis Freitag zusagst, wird er eingeschläfert"). Welpen unter 15 Wochen. Kein Impfpass oder handschriftliche Einträge ohne Stempel. Keine Auskunft zu § 11 und TRACES. Hunde, die „schon im Auto sitzen" und noch einen Platz suchen. Kein Ansprechpartner nach dem Einzug. Jeder einzelne Punkt ist ein Grund, abzusagen — Tierschutz ist kein Argument gegen Sorgfalt, sondern der Grund dafür.

Und wenn es nicht passt?

Dann nimmt der Verein den Hund zurück — das ist der Kern des Schutzvertrags und der Unterschied zum Kauf. Sprich früh, nicht erst nach Wochen der Überforderung; oft hilft schon eine Trainerin aus dem Netzwerk des Vereins. Und wenn dir für einen ängstlichen Auslandshund noch die Erfahrung fehlt: Eine Pflegestelle ist der Weg, sie zu bekommen. Auf Pawfect Click siehst du bei jedem Tier, welcher Verein es vermittelt und ob es noch im Ausland oder schon auf einer Pflegestelle in Deutschland lebt — zur Tiersuche.

FAQ

Was kostet es, einen Hund aus dem Ausland zu adoptieren?

Meist eine Schutzgebühr von 350 bis 500 Euro, in der Impfungen, Chip, Kastration, Bluttests, EU-Heimtierausweis und Transport enthalten sind. Dazu kommen Erstausstattung und die laufenden Kosten wie bei jedem Hund — bei einem positiven Leishmaniose-Befund zusätzlich Medikamente und Kontrollen.

Wie lange dauert die Adoption eines Auslandshundes?

Von der Zusage bis zur Ankunft meist zwei bis acht Wochen: Der Hund muss Impffristen und Bluttests durchlaufen, und die Vereine fahren Sammeltransporte in festen Abständen. Vorher liegen Fragebogen, Gespräche und Vorkontrolle, die ein bis drei Wochen brauchen.

Welche Papiere braucht ein Hund aus dem Ausland?

Mikrochip, gültige Tollwutimpfung (mindestens 21 Tage alt, Hund mindestens 15 Wochen), EU-Heimtierausweis, amtstierärztliche Gesundheitsbescheinigung und eine TRACES-Anmeldung des Transports. Der vermittelnde Verein braucht eine Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz. Aus manchen Nicht-EU-Ländern kommt ein Tollwut-Antikörpertest dazu.

Kann ich den Hund vor der Adoption kennenlernen?

Wenn er noch im Ausland ist, nur per Video und Gespräch — die Blindadoption. Manche Vereine holen Hunde zuerst auf deutsche Pflegestellen; dort kannst du ihn vor der Entscheidung treffen. Frag gezielt nach dieser Möglichkeit, gerade als Erstadoptierender.

Sind Auslandshunde häufiger krank?

Sie bringen häufiger sogenannte Mittelmeerkrankheiten wie Leishmaniose oder Ehrlichiose mit, die vor der Ausreise getestet werden. Ein positiver Befund heißt nicht krank — viele Hunde leben damit ohne Einschränkung, brauchen aber Kontrollen und teils Medikamente. Sechs Monate nach der Einreise sollte nachgetestet werden.